… so schnell stirbt’s sich nicht!

Eine Flasche Schnaps, drei Flaschen Wein und zehn Flaschen Bier. Täglich. Ein gutes halbes Jahr lang. Dann machte der Körper von Michael Ackermann aus Michelbach schlapp. Aufgedunsen und senfgelb im Gesicht wurde der heute 54-Jährige von einem Krankenwagen in die Notaufnahme des Marburger Uniklinikums eingeliefert.

„Ich war mehr tot als lebendig“, erinnert sich Michael Ackermann an seinen Krankenhausaufenthalt.

Nach sechs Wochen Krankenhausaufenthalt habe ich mich dann selbst entlassen“, erzählt er weiter: „Ich wollte zu Hause sterben.“ Dort bekommt er Besuch. Unter anderem seine alte Hausärztin schaut vorbei. Sie ist geschockt von seinem Zustand. „Aber sie hat auch einen Satz gesagt, an dem ich mich von diesem Augenblick an hochgezogen habe: So schnell stirbt es sich nicht.“

Der Satz prägt sich Ackermann ein, wird zum Synonym für seinen Kampf. Und obwohl es keiner für möglich hält, geht es dem Familienvater schließlich besser. Woche für Woche werden seine Blutwerte von der Hausärztin kontrolliert. Auf einmal beginnen die Leberwerte zu sinken. „Nach vier Monaten war der Bilirubin bei 4“, erläutert er. Heute sind seine Werte alle im Normbereich. Rein körperlich geht es ihm gut, nur die Psyche muss das Geschehene noch verarbeiten.

„Es ist ein Wunder, dass ich noch lebe“, sagt Ackermann.

Auf 200 Seiten hat er seine Geschichte vergangenes Jahr aufgeschrieben. Einerseits, um sie selbst zu verarbeiten, andererseits, um anderen Menschen Mut zu machen, nicht gleich aufzugeben, und gleichzeitig die Ärzte zu sensibilisieren, ihren Patienten keine Ultimaten zu nennen, sondern bei der Bekanntgabe einer solchen Diagnose wie seiner etwas feinfühliger zu Werke zu gehen.

Nach seiner Genesung hat der Michelbacher nun für seine Frau ein Lied geschrieben.
„Als Dankeschön, weil sie mir mein Leben gerettet und sich so aufopferungsvoll um mich gekümmert hat“, wie er sagt. Seit mehr als 20 Jahren sind die beiden verheiratet. „Und der Satz ,In guten wie in schlechten Tagen‘ trifft bei uns wirklich zu“, betont er und ergänzt noch: „Das Jahr 2014 hat mir unheimlich viel Kraft gegeben, mich kann jetzt nichts mehr erschüttern.“

Leseproben – Kapitel 1, Kapitel 2, Kapitel 3