Das Buch von Michael Ackermann hat mich als seine Hausärztin sehr berührt. Hier schreibt ein Mann über seine Krankheits- und Genesungsgeschichte in sehr offener, ehrlicher und detaillierter Art. Er will mit seinem Buch anderen Kranken helfen, auch in scheinbar ausweglosen Situationen nach vorne zu schauen. Gleichzeitig richtet er sich an uns Ärzte und Krankenschwestern und -pfleger, bei allem Stress und aller professionellen Distanz nie den Patienten als denkenden und fühlenden Menschen aus den Augen zu verlieren. Gerade bei schweren Krankheiten sind die Sinne geschärft. Patienten reagieren dann viel intensiver als sonst auf jedes freundliche und mutmachende Wort, aber auch auf jeden Satz, jeden Gesichtsausdruck und jede Geste, die Angst machen und Mut nehmen. Die Prognose der Krankheit von Herrn Ackermann war denkbar schlecht. Seine Lebenserwartung belief sich, lauter der Ärzte im Klinikum, bei etwa 3 Monaten. Seine schwere Fettleberentzündung war durch Alkoholmissbrauch entstanden.Etwas 6 Monate hatte er große Mengen an Alkohol getrunken und kaum etwas gegessen, sich nicht bewegt, usw. Unbehandelt entsteht aus einer solchen Leberentzündung eine Leberzirrhose (Lebervernarbung) mit vielen Folgeschäden, die unweigerlich zum Tode führen. Zu diesen Folgeschäden gehören Krampfadern der Speiseröhre, die platzen und zum Verbluten führen können, Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma und Nierenversagen. Besonders schlecht ist die Prognose, wenn der Bilirubin-Wert (Gallenfarbstoff) höher als 10 mg/dl (normal ist bis 1,2 mg/dl) ist. Bei Herrn Ackermann lag der Wert wochenlang bei über 30 mg/dl, schon äußerlich war das durch die intensive Gelbfärbung seiner Haut und Augäpfel zu erkennen. Er bekam von den Ärzten der Universitätsklinik Marburg (UKGM) die bestmögliche und modernste Therapie, trotzdem besserte sich sein Zustand wochenlang nicht. Schon bei der Aufnahme im Krankenhaus lag sein Risiko, an der Krankheit zu sterben, bei etwa 75%, nachdem er nicht auf Kortison und die übrige Behandlung ansprach, noch dazu seine Nieren begannen zu versagen, sanken seine Chancen auf null. Da die Leberentzündung durch Alkoholmissbrauch entstanden war, hatte er auch kein Anrecht auf eine Spenderleber, solange er nicht 6 Monate „trocken“ war. Trotzdem wurde Herr Ackermann wieder gesund! Am wichtigsten war dabei, denke ich, dass er auf jeden Alkohol verzichtete (und dies weiterhin konsequent einhält!). Außerdem befolgte er gewissenhaft alle Vorschriften im Hinblick auf Medikamente, Ernährung und Bewegung. Ausschlag gebend war aber sicher sein starker Wille, zu überleben. Dabei halfen ihm enorm die Hilfe seiner Familie, allen voran die Liebe und ständige Unterstützung seiner Frau, seine Freunde und Vertrauenspersonen. So ist aus einem schwerkranken todgeweihten Patienten wieder ein tatkräftiger, optimistischer, körperlich und geistig aktiver Mann geworden, der mitten im Leben steht. Darüber freue ich mich sehr und hoffe, dass sein Buch vielen Menschen Mut macht und sie zum Nachdenken anregt.

Dr. Dorothee Sundermeyer Michelbach, im Dezember 2016